BG/BRG Lerchenfeld
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13 Thesen über die Unabdingbarkeit der Werkerziehung

Oder: Warum kann man Werkerziehung nicht endlich ganz abschaffen?

  1. Werkerziehung ist das Tor zur Studierfähigkeit für Menschen, die einen technisch-praktischen Zugang zum Erkenntnisgewinn haben. Anfassen kommt von Erfassen, Greifen vor Begreifen ...

  2. Werkerziehung ist die Grundlage für Technologieverständnis und Technikkritik. Wer unsere jetzige Welt verstehen will, braucht technische Kenntnisse, wer unsere (vielleicht zu) technische Welt verändern will, muss wissen, was man weglassen kann.

  3. Werkerziehung ist das Entwicklungs- und Bewährungsfeld für Eigeninitiative und Selbständigkeit. Immer nur brav Aufgaben machen ist zu wenig. Eigene Ideen konkret ausprobieren, immer wieder neue Versuche starten, Lösungen finden und das Werk mit eigenen Händen zusammenbauen - daraus entsteht das Bewusstsein: ich schaffe es!

  4. Werkerziehung ist der für eine ganzheitliche Bildung notwendige handwerklich-praktische Gegenpol zur kopflastigen Theorie.

  5. Werkerziehung ist das Labor für Experimentieren, Forschen, Begreifen und Verstehen von Zusammenhängen. Das Denken in Systemen, das Zusammenführen der theoretischen Fächer in praktischen, real existierenden Projekten und Werkstücken - so wird Wissen beGREIFbar. Werkerziehung spannt eine Brücke zwischen Theorie und Praxis für alle anderen Schulfächer.

  6. Werkerziehung ist die Nagelprobe für schulische Bildung durch konkretes, praktisches Problemlösen. Fit für die Aufgaben der Zukunft.

  7. Werkerziehung ist ein Herausfordern der Kreativität (z.B. durch Erfinden). Nicht sklavisches Nachbauen von vorgefertigten Bausätzen, sondern Aufgabenstellungen, bei denen die Lösung auch für die LehrerInnen noch offen ist,  Nutzung der kindlichen Kreativität für zukünftige Lösungen.

  8. Werkerziehung ist eine Ausbildung zur Technikfolgenabschätzung. Nicht alles was der Mensch machen kann, soll er auch erschaffen - Techno-Ethik in der Praxis.

  9. Werkerziehung ist eine wichtige Hilfe zur Teamfähigkeit. Weg vom Einzelkämpfer, Teamwork ist gefragt. Der/die junge Erfinderin, der/die zukünftige Handwerkerin, der/die Organisatorin von morgen, der/die immer hilfsbereite Handlangerin - jede/r  findet in der Projektgruppe seinen/ihren Platz.

  10. Werkerziehung ist das Bindeglied zwischen Kunst und Alltagskultur ["Design oder nicht Sein" - Wiener Werkstätte, Thonet und andere Beispiele österreichischer Gestaltungskunst  für Gegenstände des täglichen Lebens]. Werkerziehung schafft das Bedürfnis nach qualitätsvoller Gebrauchskunst.

  11. Werkerziehung ist die Vorraussetzung für bewusstes Konsumverhalten. Wer seine Bedürfnisse kennt, wer die Qualitätskriterien kennt, wer die gestalterischen Möglichkeiten kennt, der fällt auf keinen Ramsch herein.

  12. Werkerziehung ist eine Hilfe zur Überlebensfähigkeit in Krisenzeiten durch die Vermittlung von Basis- und Alternativtechnologien. Wer kennt sie noch, die alten, aber wirksamen Tricks unserer Vorfahren, als es noch keinen elektrischen Strom gab, als alles noch von Hand gemacht wurde? Werkerziehung als "Pfadfinderlager" und als "Überlebenstrainingscamp".

  13. Werkerziehung ist die Vermittlung von Schlüsselqualifikationen in einer vom Menschen gemachten Welt. Der Mensch gestaltet die Natur mit Hilfe der Technik nach seinen Gutdünken um. Unsere Kultur hat sich bereits sehr weit von der Natur wegentwickelt. Der Werkunterricht vermittelt Sachverstand und Verantwortlichkeit, um in dieser von der Technik bestimmten Welt zurechtzukommen.