BG/BRG Lerchenfeld
Schulbezeichnung
Impressum |  Kontakt |  Neues |  Sitemap

„Wenn die Haifische Menschen wären“ aus den Kalendergeschichten von Bert Brecht

Diese Parabel ist ein erweiterter Vergleich und führt uns in die Welt der Haifische, die ein menschliches Leben führen. Sie schicken ihre Kinder zur Schule, wo sie die „wichtigen Dinge des Lebens“ lernen und moralische Werte anerzogen bekommen sollen. In Wirklichkeit werden sie manipuliert und so erzogen, dass sie zu willenlosen Dienern der herrschenden Klasse werden. Die kleinen Meeresbewohner – gemeint sind wir Erdbewohner – werden gemästet, um später den bösen Diktatoren besser zu schmecken.

Im Religionsunterricht lernen sie aber auch von Haimenschen, die ihren Nachwuchs nicht in die Schule, sondern in den Krieg schicken. Dort lernen die Heranwachsenden, wie man seine Feinde tötet, weil diese anders sind und ganz „anders schweigen“ als sie selbst. Spätestens hier muss man merken, wie unbekümmert und ahnungslos die kleinen Fischlein sind. Gemeint ist natürlich das einfache Volk, die Unterdrückten, die „Kleinen und Dummen“, die in einer Diktatur zu Opfern der Macht werden. Die Haimenschen locken die jungen Fische in die Falle, indem sie ein „Leben nach dem Leben“ in ihrem eigenen Magen-Paradies versprechen. Die kleinen Fischlein glauben, dass ihr Schicksal Hainahrung zu werden, ein schönes, erstrebenswertes Ziel ist, was sie zu Helden macht. Sie blicken dem Leben im Jenseits mit naiver, freudiger Erwartung entgegen.

Ähnlich ahnungslos beschreibt Günther Grass in der Blechtrommel die Kinder bzw. Menschen, die an den Weihnachtsmann glauben. Für die Nationalsozialisten erschien der Diktator Adolf Hitler wie ein Segensbringer, in Wirklichkeit aber wurden Millionen Juden, Kranke, Alte und Körperbehinderte in Gaskammern teuflisch ermordet – daher bezeichnet der Autor ihn auch als Gasmann. Ähnlich wie die unbekümmerten Fischlein freuen sich die Kinder, dass der Gasmann kommt und sie im Ofen ihre Weihnachtsgans braten und Nüsse und Mandeln rösten können.

Am Ende erfahren wir, wie die Haimenschen auch dafür sorgen, dass es keine Gleichheit zwischen den Fischen gibt. Sie verteilen ihre Macht geschickt und gezielt nach unten, um Abhängigkeiten zu schaffen und Neid zu schüren. Bertold Brecht empfindet die Menschheit eher als Täter und nicht als Opfer und will damit Kritik an der ungerechten Gesellschaft übern, wo die Mächtigen so tun, als würden sie eine große Verantwortung für das Staatssystem tragen, in Wirklichkeit aber nur danach trachten ihre Macht zu vergrößern. Selbst die Kunst und Kultur werden zur Propaganda missbraucht – womit die Parabel endet.

Die Parabel lehrt uns, immer kritisch zu hinterfragen, was gut und richtig für uns ist. Mit „Brot und Spielen“ wurde schon das römische Volk lange ruhig gehalten. Auch die Religion hält die Menschen davon ab, der Realität in die Augen zu sehen und selbst etwas zu unternehmen, damit sich das eigene Leben ändert und verbessert.

Die Parabel ist meiner Meinung nach immer noch so aktuell, da vor allem der Absatz mit der Religion der Fische sehr an Terroranschläge erinnert. Sie bekommen das „Leben nach dem Leben im Paradies“ versprochen, welches bei den meisten Terroristen ebenfalls der Grund für ihre Anschläge ist.

Ich persönlich bin froh, dass die Haifische keine Menschen sind, denn in der Natur nimmt alles seinen gewöhnlichen Lauf und es könnte nie etwas wie ein Krieg ausgelöst werden.

Gleich wie Bert Brecht empfinde ich die Menschheit eher als Täter und nicht als Opfer.

Helena Czell, 4A 2015/201