BG/BRG Lerchenfeld
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Die "skandalöse Rede" des Heiligen Vaters

Wohl kaum jemand hätte sich gedacht, dass die Papstrede von Regensburg so ein derartiges Empören auslösen würde. Sie handelt von dem Verhältnis von Christentum und Islam. Was war geschehen?
Ein Zitat wurde aus seinem situativen Zusammenhang gerissen. Benedikt XVI hatte aus einem Dialog Kaiser Manuel II zitiert. Gegen eine persischen Gelehrten hatte dieser um 1391 gemeint: "Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schert zu verbreiten.?"
Es ging dem Papst darum zu zeigen, dass Gewalt dem Wesen Gottes zuwider sei, weil dies nicht vernunftgemäßes Handeln wäre. Der Papst verwies darauf, dass die Geschichte des Christentums eng mit dem Denken der Hellenen verknüpft sei.?
Gegen die Vernunft zu handeln, hätte in diesem Zusammenhang immer bedeutet, gegen Gott zu handeln. Die Muslime haben wahrscheinlich die Rede Manuels für eine Äußerung von Benedikt XVI gehalten. In weiterer Folge macht sich der Papst zum Anwalt der Aufklärung, wenn er da von bedauerlichen drei Enthellenisierungswellen spricht, deren erste er Luther für seine Bibelübersetzung ins Deutsche unterstellt, eine nicht unbedingt nachvollziehbare Anschuldigung, ging es Luther doch darum, die Glaubensgeheimnisse für alle begreifbar zu machen.?
Eine zweite Enthellenisierungswelle unterstellt er dem 19. Jahrhundert, dessen konsequenter Glaube an die Naturwissenschaften und das empirisch Nachvollziehbare die Frage nach Religion zu einer überflüssigen Frage machte.?
Die Vernunft hatte sich technologisch halbiert und war ab nun nur noch für Tatsachen zuständig. Die dritte Enthellenisierungswelle ortet Benedikt XVI in der Gegenwart, wenn er da von theologischen Überlegungen spricht, den Hellenismus abzulegen, weil er zu sehr europazentriert sei. Möglicherweise waren viele Zuhörer überfordert, wussten nichts über die Geschichte des Christentums, nichts über die Geschichte des Islam, konnten das Gesagte in keinen Kontext einordnen. Der Papst wollte seinen Zuhörern wohl bedeuten, dass ein Dialog von zwei Weltreligionen in Augenhöhe nur dann stattfinden könne, wenn gleiche Bedingungen herrschen. Er fordert seine Gesprächspartner im Islam dazu auf, den Geist des Hellenismus, den Geist der Aufklärung in die Lehren des Islam einzulassen.?
Ohne diese Voraussetzung könne es seiner Meinung nach keinen vernünftigen Dialog geben. Die Reaktionen auf seine Rede sollten ihm Recht geben.

Philipp Wess