BG/BRG Lerchenfeld
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Eine Rolle, oder?
Reminiszenzen zu einer neuen Erfahrung

"Gehen sie jetzt nach Hause, aber vergessen sie Ihre Reden, Predigten und Verse nicht, denn morgen fangen wir in aller Ruhe und Gemütlichkeit den Spaß noch einmal von vorne an..."

Und mit diesen Worten steige ich dann in einem leichttrunkenen Zustand von der Bühne. Streife meinen geschmacklosen Gehrock ab, und durchstreife gedanklich die letzten fünf Minuten.
Ein Fehler - mir scheint es, als hätte ich etwas vergessen.
Wirklich bewusst kann ich mir den Auftritt jedoch nicht vor Augen führen. Da spukt ständig ein lästiges Ideal (es ist jedoch keine Frau ernsthaft beteiligt) durch meinen Kopf. Die feste Vorstellung meiner Rolle bleibt. Die passende Geste, der genaue Wortlaut, Perfektionismus. Ein Perfektionismus, der mir die schönste Zeit, jedoch auch die schwärzesten Stunden beschert. „Der Mensch ist nur glücklich im Streben“ - und wenn ich von der Bühne trete, mir bewusst wird, es geht besser jedoch nicht für mich, dann ist das schwer. Mein Leiden mit der Kunst, mein Kreuz mit dem Dualismus des Ideals und der Erscheinung. Das Werk wird nie das sein, als welches es angedacht wurde.
Leonce und Lena jedoch, kam so manchen Idealen gefährlich nahe. Nicht nur dem schwer vernünftigen einer Frau, sondern auch dem der Arbeitsmoral. Das Stück selbst in sich zu schaffen, war etwas ganz sonderlich Angetriebenes. Für mich galt es eine neue Erfahrung zu machen, nicht zu versagen, perfekt zu sein, und dann hoffentlich doch wieder zu versagen, für andere galt es, sich aus einer verzweifelten Apathie „herauszuspielen“. Und so fanden wir uns, prächtig zusammen.

Florian Kutej, 7.S-Klasse 2006/2007