BG/BRG Lerchenfeld
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Glaube, Vernunft und Universität - Erinnerungen und Reflexionen

Als der Papst an seine alte Universität in Regensburg zurückkehrt, um dort eine Vorlesung zu halten, merkt man ihm an, dass er sich sehr darüber freut. Er erzählt aus den Jahren, in denen er an dieser Universität studiert und gelehrt hat.
Benedikt XVI hat sich erst kürzlich wieder an den Dialog, den der gelehrte byzantinische Kaiser Manuel II Palaeologos mit einem gelehrten Perser geführt hat, erinnert. In diesem Dialog geht es um Fragen der Weltreligionen Christentum und Islam. Er zitiert auch Kaiser Manuel II. Dabei stößt er auf das Zitat über Mohammed. "Zeig mir doch, was Mohammed neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, dass er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten."
Dieses Zitat sorgte im Nachhinein für Aufregung. Es wurde von den Muslimen wohl für eine Äußerung des Papstes gehalten, weil es aus dem Zusammenhang gerissen war und überall in den Medien verbreitet wurde. Der Papst wollte jedoch nur zeigen, dass derjenige, der einen anderen zum richtigen Glauben führen will, die Fähigkeit zur guten Rede und zum rechten Denken haben muss. Glaubensverbreitung durch Gewalt steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. Gewalt und Drohung werden nicht gebraucht. Manuel II. wollte damit sagen, dass niemand zu einem Glauben gezwungen werden kann. Denn der Glaube ist eine freie Willensentscheidung, die keiner beeinflussen darf.
Papst Benedikt XVI thematisiert auch die Hellenisierung und erklärt, dass diese zum Christentum gehöre, dass die Vernunft vom Christentum nicht zu trennen sei. Dies ist sehr verwunderlich, weil die Kirche in den letzten Jahrhunderten immer wieder versucht hat, die Philosophie und die Aufklärung zu bekämpfen.
Benedikt XVI (d. i. Josef Ratzinger) macht sich in seiner Uni-Rede, man höre und staune, zum Anwalt der Aufklärung.
Der Pontifex bedauert die drei Enthellenisierungswellen. Die erste Enthellenisierungswelle gehe von Martin Luther und der Reformation aus, die zweite vom Positivismus, wo das Vorherrschen der Naturwissenschaften die Wissenschaften auf reine Tatsachenwissenschaften reduziert habe und keinen Platz mehr für Fragen nach der Religion gelassen habe. Die dritte Welle passiere in der Gegenwart. Moderne Theologen plädierten dafür, das Christentum vom Hellenismus zu befreien, weil der Hellenismus zu europazentriert sei.
Nach dem streng positivistischen Denker J. Monod, einem überzeugter Platoniker, kommen zwei entscheidende Grundorientierungen auf. Was Wissenschaft sein will, muss sich dem Koran von Wissenschaftlichkeit annähern. Wissenschaft und Vernunft müssen in Frage gestellt werden. Er behandelt auch den Begriff Positivismus. Dieser Begriff geht auf den französischen Philosophen und Soziologen Auguste Comte zurück. Comte spricht von drei wissenschaftlichen Stadien und dem so genannten Dreistadiengesetz. Das mythologisch-theologische Stadium ist das Zeitalter der Schamanen und Priester. Mythen erklären das Unbegreifliche. Das metaphysische Stadium bedeutet "jenseits der Physik" und meint den Zeitraum, indem das Unbegreifliche Thema der Metaphysik, einer Abteilung der Philosophie war, und zum Schluss noch das positive Stadium, in dem Metaphysik als "sinnlose Wissenschaft" abgetan wird.
Die Vorlesung wird in weiterer Folge mit einer Fußnote versehen, welche die schon vorher angeführten Missverständnisse klären soll. Der Vatikan und sein oberster Herr wollen damit den Menschen zeigen, wie es Papst Benedikt XVI gemeint hat, aber sich vielleicht nicht für alle verständlich genug ausgedrückt hat.

Margret Lexer 7.S