BG/BRG Lerchenfeld
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Ghetto

Schauspiel mit Musik von Joshua Sobol

„Auf dem Friedhof spielt man kein Theater!“
Dieser Protest Wilnaer Ghetto-Insassen richtet sich gegen die Pläne ihrer Verwaltung, ein Theater ins Leben zu rufen. Wenige Monate zuvor sind 20.000 Ghettobewohner ermordet worden.
Ghetto, das Schauspiel mit Musik von Joshua Sobol wird am Stadttheater Klagenfurt unter der ausdruckstarken Inszenierung Sobols gespielt. Die unterschiedlichen Überlebensstrategien der einzelnen Charaktere, die vor allem im Puppenspieler und im Polizeichef Gens hervorstechen, sind interessant herausgearbeitet worden.
Die Grenzen zwischen Tod und Leben sind fließend, die Flucht in die Theaterwelt hilft beim Überleben. Der Bibliothekar und Ghetto-Chronist Herman Kruk ist anfangs gegen die Einrichtung eines Theaters, doch auch er notiert sich das Datum, an dem das erste Stück aufgeführt werden soll: „Der Puls des Lebens beginnt wieder im Wilnaer Ghetto zu schlagen.“
Matthias Freihof kann die gespaltene Persönlichkeit des Polizeichefs Gens schonungslos wiedergeben. Er will zwar seine eigenen Leute retten, ist aber dennoch eine Marionette des deutschen Kittel, gespielt von Jens Schnarre. Beeindruckend ist die schauspielerische Leistung von Lydia Nassall als Handpuppe Lina, die das Gewissen und die Einstellung des Puppenspielers Srulik deutlich hervortreten lässt.
Wilnas Juden arbeiten für die deutsche Kriegswirtschaft, denn es ist die einzige Möglichkeit, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Die Nationalsozialisten verlieren nie das Endziel der Vernichtung der Juden aus den Augen. Dieses Ziel wird in der letzten Szene sehr ausdrucksstark durch die Ermordung aller Ghettobewohner in Erinnerung gerufen.
Für den Theaterbesucher ist diese Stück ein Erlebnis der Extraklasse. Die Musik des Schtetls steht wieder auf. Das reale Schtetl und seine Musik sind verschwunden. Durch Giora Feidman, der in der Inszenierung von Zadek in Deutschland mitgespielt hat, ist Klezmer-Musik wieder in die Konzertsäle der Welt zurückgekehrt. Angenehm, sie auch in Klagenfurt zu vernehmen. Unheimlich berührend! Das Theater sollte sich unserer Meinung nach sehr wohl auch um jene Friedhöfe kümmern, die uns in Erinnerung bleiben müssen.

Stefanie Posch u. Julia Diexer