BG/BRG Lerchenfeld
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Ari Rath

Am Montag, dem 25. Jänner 2016, hatten wir die Ehre, uns im Bachmann Gymnasium einen Vortrag von Herrn Ari Rath, in welchem er uns über sein Leben und seine Flucht nach Palästina nach dem „Anschluss Österreichs“ an Deutschland erzählte, anhören zu dürfen. Vor Beginn des Vortrages bekamen wir noch einige Informationen zu Ari Raths Leben. Wo war er aufgewachsen? Wo war er zur Schule gegangen? In welchen Verhältnissen lebte er? Wir verfolgten dies mit größter Aufmerksamkeit, um zu sehen, ob wir noch etwas erfahren konnten, das wir noch nicht in der letzten Psychologiestunde mit Herrn Professor Pulferer besprochen hatten. Da wir in der vorangegangenen Psychologiestunde jedoch so gut vorbereitet worden waren, konnten wir unserem bestehenden Wissen über Ari Rath nichts mehr hinzufügen.

Nach diesem kurzen Einstieg, wurde das Wort an Herrn Rath übergeben. Dieser begann seien Vortrag mit folgenden Worten: „Wenn ich euch Maturanten, oder angehende Maturanten hier so sitzen sehe, dann beneide ich euch.“ Er sprach weiter und führte nun aus, warum er uns beneidete. Ihm selbst war es als Juden nach dem Anschluss Österreichs an Deutschland untersagt gewesen, die Schule weiterhin zu besuchen, er hatte also nie die Möglichkeit gehabt, einen Schulabschluss zu machen. Diese Worte ließen einen nachdenklich werden.
Herr Rath sprach in den weiteren Minuten des Vortrages über viele Ereignisse aus seinem Leben. Zum Beispiel wie es für ihn war, von einem Tag auf den anderen seien Lieblingsstadtpark nicht mehr besuchen zu dürfen oder wie es war, ohne Mutter aufzuwachsen. Ari Rath berichtete, dass er und sein Bruder ab dem Tod seiner Mutter, da war er gerade erst vier Jahre alt gewesen, bis zur zweiten Heirat seines Vaters, mindestens sieben oder acht Kinderfrauen gehabt hatten. Sein Bruder drohte jeder Frau, sie bei ihrem Vater zu verpetzen, sollte sie ihn zu etwas zwingen, das er nicht wollte. Ari Rath bekam so das Gefühl, dass jede Frau, für die er mütterliche Gefühle entwickelte, nie lange in seinem Leben blieb, sondern ihm immer wieder genommen würde. Auf diese Weise sei er, so traurig es auch klingen mag, sehr stark abgehärtet worden, sagte Herr Rath.
Ari Rath sprach jedoch nicht nur über seine Zeit in Wien, sondern auch wie es war, in Palästina zu leben und dort neu Fuß zu fassen. Stellenweise las er uns aus seinem Buch vor und erzählte dann dazu passende Anekdoten. Auch zum Cover des Buches gab es eine Geschichte, die wir erzählt bekamen. Ein sehr berührender Moment war es, als Herr Rath uns seien Abschiedsbrief, welchen er an all seine Freunde geschrieben hatte, vorlas.
Als mitten im Vortag plötzlich ein iPhone zu klingen begann, Herr Rath in seine Jackentasche griff, das Handy stummschaltete und entschuldigend meinte: „Das tut mir leid, ich dachte ich hätte es ausgeschaltet“, hob dies, nachdem wir erfahren hatten, was Herr Rath schon alles durchmachen musste, die betroffene Stimmung ungemein.
Nach ungefähr vierzig Minuten war Herr Rath mit seinem fesselnden Vortrag zu Ende, und ermutigte uns, ihm nun Fragen zu stellen. Es folgten weitere vierzig Minuten in welchen zum größten Teil äußerst interessante und intelligente Fragen gestellt wurden. So erfuhren wir noch, dass Herr Rath während seiner Zeit im Kibbuz als einziger Kühe melken konnte und dies dreimal täglich mit größter Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt tat, oder seine Meinung zum aktuellen Flüchtlingsproblem.
Herr Rath nahm sich viel Zeit und beantwortete auch die weniger wohl überlegten Fragen präzise und sehr ausführlich.
Nachdem die Zeit Fragen zu stellen um war, und Herr Rath zu seinem nächsten Termin in einer anderen Schule aufbrechen musste, verabschiedeten wir uns mit tosendem Applaus. Ich bin äußerst dankbar, einen Vortrag von einer so faszienierenden und starken Person wie Ari Rath gehört haben zu dürfen.

Ute Eder, 7b