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„Innehalten“ - Peter Heintel

Innehalten ist ein Sachbuch, geschrieben von Peter Heintel, erschienen im Herder Verlag. Der Autor ist Universitätsprofessor an der Universität Klagenfurt, wie auch Gründer und Vorsitzender des „Vereins zur Verzögerung der Zeit. Er hält zahlreiche internationale Vorträge, und ist auch als Berater tätig.
Das Buch behandelt die (Un)Art der modernen, beschleunigten Gesellschaft, im Umgang mit einer immer schneller werdenden Zeit. Alles muss an Geschwindigkeit gewinnen, die Quantität muss stetig zunehmen. Doch wird dadurch die Qualität der Arbeit bzw. eines Menschenlebens besser? Was treibt uns derartig voran, und wohin geht die Reise? - Fragen dieser Art bearbeitet Heintel in „Innehalten“. Die Themengebiete werden in Kapiteln, die unabhängig von einander gelesen werden können und essayhaften Charakter aufweisen, abgehandelt.
Unsere Zeit beschleunigt. Weg vom subjektiven Empfinden eines jeden, erkennt der Klagenfurter Professor Symptome dafür auch in der Wissenschaft. Hatte man früher einen Schöpfergott, wurde der spätestens im 20. Jahrhundert durch die neue Urkraft, den Urknall ersetzt. Newton hatte die Grenzen des Universums noch in den Schoß Gottes gelegt, doch diese Theorie wurde mit der Einsteinschen Relativität widerlegt. Nun expandieren wir, hin zum... ...unerheblich, wir expandieren, die Grenzen des Alls verschieben sich in die Unendlichkeit. Warum? - Zugrunde liegt des Menschen ewige Angst vor dem Tod. Ist das Universum unendlich, stellt man auch dem Menschen Unendlichkeit in Aussicht. Alles drängt in Kugelform nach außen, bis es zusammenfällt, um von neuem zu beginnen.
Aber auch weg von der Astrophysik sind derartige Prozesse wahrzunehmen. Die Wirtschaftsräume sind nicht mehr national, sie werden global, die ewige Flucht findet auch hier ihre Außenposten.
Auch des Autors Liebe zur Begriffsaufdröselung bleibt dem Leser nicht unbekannt. So zeigt sich die Beschleunigung wiederum aber in neuem Gewande. Eine Menschengeneration dauerte ungefähr 30 Jahre, doch nun zeigt sich die neue technologisiert beschleunigte Gesellschaft in fetzigerem Gewand.
Computergenerationen! Unsere Klapprechner und Monsterrechner werden immer schneller, immer neuer, und der Mensch, der nicht mit der neuen Technik mithält, wird ausgesondert „gehört zum alten Eisen“. So werden quasi monatlich neue Generationen geboren.
Unterhaltsam wirkt die heintelsche Lösung dieser Problematik. Wir halten inne. Von der ewigen Flucht nach außen, müssen wir zurückfinden zu uns selbst. Das Innehalten wird schon im Vorwort als eine Differenz, ein sich Gegenüberstellen(…) beschrieben. Der Mensch soll an-halten, sich aus dem täglichen Alltagstrott, wohl besser Lauf, zurückziehen, und sich besinnen. Eine Tätigkeit soll zufrieden stellend ausgeübt werden, der Mensch soll nicht wie von der Tarantel gestochen von Erfahrung zu Erfahrung hetzen.
Was bleibt, ist ein aktives Suchen, denn so gern Heintel auch völlig innehalten will, verändert sich der kurz auf Unwandelbarkeit Setzende doch genauso in diesem Prozess. Am besten ist dies mit einem Beispiel aus der Chemie zu erklären. Um den Weg eines Teilchens zu bestimmen, muss man sich diesem annähern, was zwangsläufig zur Veränderung der ursprünglichen Position führt. So ähnlich stelle ich mir auch das Heintelsche Innehalten vor.
Soweit so gut, soweit nichts Schlechtes, doch, wohin ändern (selbst hier bewegen wir uns, wenn auch vielleicht rückwärts). Der Autor erkennt sehr treffend, dass ein Innehalten als vollkommener Ausstieg aus der Gesellschaft für ein Individuum nicht machbar ist (bzw. die Person müsste in der Zeit vor der „Rebellion“ lang genug mitgelaufen sein, um sich die nötigen Geldreserven zu erscheffeln). Also ist Innehalten wohl im Bereich der Spiritualität und Sinngebung anzusetzen. Nun eröffnet sich mir die Frage: Ist es besser, ohne Gott oder sonstiger Religiosität mit zu laufen, oder stellen wir uns gegen den Strom und huldigen den Weltgeist?
Ist der Schwenk hin zur Spiritualität nicht zwangsläufig auch eine Flucht? Eine Flucht, die genauso Ausdruck der Angst vor dem Tod ist wie der ewige besinnungslose Wirtschaftskampf?
Gehen wir den Weg frei von allen Geistern. Vor welchem Problem steht der Innehaltende dann? Er sieht sich praktisch in der Vogelperspektive, kreisend über einer Schar von Menschen, die verzweifelt ihrer Unsterblichkeit nachschwimmen, und dabei zu 90% untergehen. Er, allerdings, hat sich selbst diese Illusion gestohlen. „Komasaufen“ bleibt durchaus eine Alternative, wird aber auch zu den Fluchtmöglichkeiten gezählt.
Was übrig bleibt, ist also ein nihilistischer Genussmensch, der sich entweder dem Freitod, oder den Frauen zuwendet.

Florian Kutej, 8.S 2007/2008