BG/BRG Lerchenfeld
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Peter Heintel: „Innehalten“

Vita: Geboren am 13.11.1940 in Wien. Universitätsprofessor in Klagenfurt, Rektor, Philosoph und Gruppendynamiker. Man findet Heintel auch im Philosophenlexikon. Heintel ist Gründer des „Vereins zur Verzögerung der Zeit“.

Für Peter Heintel gehören Raum und Zeit zusammen. Er bezeichnet den Raum als Gefäß, welches sich ausbreitet. Wenn man den Raum nicht eingrenzt, geht er ins Unendliche. Der Raum jedoch kann nur durch Zeit und Geschwindigkeit begrenzt werden. Assoziation: Relativitätstheorie.
Der Urknall wird als Big Bang bezeichnet. Dadurch begann das Leben und es wird auch so enden. Der Knall kann einen überall hinbringen. Sogar ins All, wo die Zeit langsamer verläuft.
Unsterblichkeit? Mitnichten! Nur unsere Produkte werden überleben. In unsern Kindern und in unseren Werken leben wir weiter. Von unseren Werken dürfen wir Unsterblichkeit erwarten, in den seltensten Fällen. Zeit als Zurichtung auf die Unsterblichkeit.
„Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur so selten dazu.“ Ein Zitat von Ödön von Horvath, einem Kapitel vorangestellt.
Der Alltag macht uns „bewusstlos“. Wir sind Getriebene. Wir funktionieren. Aber sind wir das noch? Was geschieht mit uns? Was dagegen tun?
Heintels Rezept: Innehalten. Zur Besinnung kommen. Identität wieder herstellen. Der immer zunehmenden Beschleunigung mit Subversion begegnen! Zeitentschleunigung!
Ein sehr wichtiges Thema ist auch die Geduld. Geduld bedeutet, sich und auch anderen mehr Zeit zu geben, um zu überlegen. Je schneller, desto besser. Geduld ist eine Tugend, die immer seltener Auftritt.

Wie wichtig ist eigentlich noch das Nach-denken?
Nachdenken bedeutet in sich gehen und Dinge überdenken und überlegen. Nachdenken ist immer auch Probehandeln. Wer nicht mehr über Dinge nachdenkt, funktioniert nach fremdem Willen, bewusstlos, kann viele Fehler machen. Nachdenken heißt: In-Frage-Stellen. Es ist wesentlich subversiv. Gerade deshalb ist es nötig. Heintel fordert dazu auf.

Was ist wesentlich? Immer mehr Menschen haben für das Wesentliche keine Zeit mehr. Sie denken nicht einmal darüber nach, was es ist. Das Tempo verhindert Grundsätzliches.
Innehalten ist eine Möglichkeit, Wesentliches zu finden. Es verändert Einstellungen. Es regt an, es regt auf.
Heintel ist ein gescheiter Mensch. Die großen Theorien der letzten Jahrhunderte sind ihm bekannt. Er weiß über alle naturwissenschaftlichen Neuerungen der unmittelbaren Gegenwart Bescheid. Heintel ist nicht nur Philosoph, er ist studierter Mathematiker und Naturwissenschaftler. Die Zeit ist eine a priorische Kategorie.
Dass es Heintel ernst meint, beweist die Gründung des „Vereins zur Verzögerung der Zeit“.
Je mehr wir hetzen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Fehler geschehen. Auch Stress ist ein wesentliches Thema in diesem Buch. Stress macht krank. Der Autor will, dass wir Herr unserer Zeit werden. Denn nur so gelingt es uns, den richtigen Lebensrhythmus zu finden und unserem Körper etwas Gutes zu tun.
Der Wunsch nach Unsterblichkeit wird als des Wurzels Übel entlarvt. Durch Zeitbeschleunigung glauben wir, Zeit zu gewinnen und die Zeit beherrschbar zu machen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Zeit hat uns und nicht wir die Zeit im Griff. Wir sind der Hamster im Hamsterrad. Auch er glaubt, sein Problem durch schnelleres Laufen zu lösen - und löst es nicht.
Erst wenn er steht, erkennt der Hamster den Käfig.
Nichts Neues unter der Sonne: Schiller hat sich in seiner berühmten Schrift „Über die ästhetische Erziehung des Menschen“ mit dem Problem Zeit auseinander gesetzt. Sein Vorschlag: Den sinnlichen Trieb mit dem Formtrieb im Spieltrieb versöhnen.
Freud ist da etwas pessimistischer: Für ihn ist Kulturschaffen nur über Triebverzicht möglich. Heintel: Kulturschaffen, nicht ohne Triebverzicht?
Wir Menschen setzen uns selber und gegenseitig unter Druck. Es ist uns nur noch möglich, etwas spontan zu organisieren. Nachgedacht wird immer weniger. Geschehenes und Taten müssen auch mal unterbrochen und überdacht werden. Im heutigen Alltag, ist dies nicht mehr vorstellbar. Mit dem Titel „Innehalten“ will uns der Autor auffordern, halt zu machen und nachzudenken. Für den Organismus und das gesamte Umfeld des Menschen ist es sehr wichtig, sich auch einmal eine „Auszeit“ zu nehmen. Wir werden in der Arbeit, in der Schule unter Druck gesetzt. Selber setzen wir uns auch in unserer Freizeit unter Druck und müssen dem Druck standhalten. Und so kommen auch Müdigkeit und Erschöpfung zustande.

Margret Lexer 8.S 2007/2008