BG/BRG Lerchenfeld
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„Partizan“ von Bernd Liepold Mosser

Der eigentliche Sinn dieses Stückes ist die Situation der Partisanen, die sich im 2. Weltkrieg in den Wäldern den Nazis gestellt hatten, um ihr Land zu verteidigen. Doch wurden sie für diese Leistung auch geehrt oder anerkannt? Genau diese Frage soll dieses Stück meiner Meinung nach stellen. Sinnvollerweise spielt das ganze Geschehen auf einem Bahnhof, der ist ohne Schienen. Es gibt weder ein Ankommen noch ein Abfahren, das widerspiegelt einen Stillstand, erlaubt weder einen Blick in die Zukunft noch einen in die Vergangenheit. Genau an diesem Bahnhof stehen stellvertretend für uns sieben Personen und warten auf eine Weiterreise. Sie scheinen nicht zu wissen, wohin sie wollen. Gibt es je eine Abfahrt? Anfangs macht sich noch keiner von ihnen Gedanken darüber, sie beginnen ihre Erlebnisse, Erfahrungen und Geschichten über die Kriegszeit plakativ zu berichten, wobei verschiedene Schicksale hörbar werden. Doch keine Figur kann zuhören, jede nimmt das eigene Geschick als das Wichtige. Satt Dialogen gibt es praktisch nur Monologe. Sie erfolgen sogar zweisprachig, um auch die verschiedene Herkunft der Personen widerzuspiegeln. Das Plakative dieses Handelns wird durch die Übersetzung der jeweiligen Sprache in die andere auf Monitoren sichtbar gemacht. Es sind seelische Wunden, die gezeigt werden, die nie die Chance bekamen zu verheilen. Jede Trauer hat ihren Trauerplatz. Meistens sind es Gräber oder wenigstens Denkmäler. Manche Trauer hat keinen Platz. Sie kann nicht richtig stattfinden.

Mossers Vorschlag: Gebt den Toten beider Seiten die Ehre, gebt ihnen auch einen Platz! Ein provokanter Vorschlag in einem Land, wo es vordergründig einen allgemeinen Konsens zu diesen Fragen gibt, der den toten Partisanen nie einen Trauerort zugestehen wird. Der Zuschauer erlebt Irritation, fühlt sich allein gelassen, kann zunächst wenig mit dieser Montage anfangen. Erst sein Nachdenken ergibt ein abgerundetes Bild. Der Autor ist Philosoph. Offensichtlich setzt er in seinen Zuschauerköpfen Philosophenköpfe voraus.

Im Großen und Ganzen war ich also über meine Reaktion im Bezug auf dieses Theaterstück nicht besonders überrascht, da ich von vorn herein nicht vermutet hatte, dass mich dieses Thema irgendwie berühren könnte.
Auch während des Stückes war ich etwas erbost, da ich vieles von dem, was gezeigt wurde, zunächst gar nicht verstand. Erst im Philosophieunterricht nach einer ausgiebigen Diskussion begann ich zu verstehen.

Laura Spendel