BG/BRG Lerchenfeld
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Kritik über Partizan von Bernd Liepolt Mosser

Im Theaterstück „Partizan“ geht es um Figuren, die auf einen Zug am Bahnhof warten. Leider gibt es in diesem Stück keine Gleise und auch keine Bahn. Der ganze Bahnhof steht still. Jeder erzählt monologisch seine Geschichte vom Krieg und was er durchgemacht hat. Immer wieder kommt es zu diversen Auseinandersetzungen und lautstarken Auffassungsunterschieden zwischen den Personen. Da ein Teil der Leute deutsch und ein Teil der Leute slowenisch spricht, wird der Zuschauer auf historische Situationen hingewiesen. Liepold Mosser, der Autor dieser Montage, wollte die traumatischen historischen Verhältnisse aufzeigen. Dialog ist nicht möglich, weil schon das Zuhören nicht mehr funktioniert. Figuren schleudern sich Sprechfetzen um die Ohren, das geschieht sogar zweisprachig. Auf Monitoren können die einsprachigen Zuseher die übersetzten Monologe der jeweiligen Fremdsprache nachlesen. Das unterstreicht den plakativen Charakter der gegenseitigen Schuldzuweisungen. Dialog findet nie statt. Gesgenseitige Schuldzuweisungen sind die Regel.
Welches Blut fließt in unseren Adern? Ist da nicht slawisches Blut auch dabei? Wozu dieser Abwehrkampf gegen alles Slawische in und um uns? Woher speist sich dieser Eifer? Der Großteil der Kärntner hat sich im Laufe des zwanzigsten Jahrhunderts zum Deutschtum bekannt, das Slowenische in sich absterben lassen. Jede zweisprachige Ortstafel würde diese Menschen an den Verrat ihrer Identität erinnern. Das ist schwer auszuhalten, darum wird es verdrängt. Man lässt sich von niemandem daran erinnern. Schließlich hat ein Großteil der Bevölkerung Südkärntens vor neunzig Jahren noch slowenisch gesprochen. Der Nationalsozialismus zwang die Menschen Kärntens die deutsche Sprache auf.
Liepold Mosser ist ein Störenfried. Er greift ein Thema auf, dass, wenn überhaupt, nie kontrovers diskutiert wurde. Stillschweigend wurde und wird Konsens vorausgesetzt, wenn wieder irgendjemand aus der Politik „Wir Kärntner“ sagt. Der Theatermacher zeigt uns, dass es diesen unausgesprochenen aber öffentlich behaupteten Konsens nicht gibt.
Anfangs konnte ich nicht sehr viel mit dem Theaterstück anfangen und war erzürnt, doch später, als wir in der Klasse darüber diskutierten, wurden mir meine Augen geöffnet!

Maximilian Lintner, 7B