BG/BRG Lerchenfeld
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Homo Faber

„Homo Faber“, das ist der Schweizer UNESCO-Ingenieur Walter Faber. Er ist der Held des gleichnamigen Romans von Max Frisch, bereits über 50 Jahre alt und hat ein sehr rationales Weltbild. Weder seine Flugzeugnotlandung in Mexiko, noch der Selbstmord seines ehemals besten Freundes in Guatemala können seine Einstellung ändern.
Ein wunderschönes, junges Mädchen verliebt sich während der Schiffsreise nach Paris, in ihn. Am Ende wird er erfahren, dass dieses Mädchen seine Tochter ist. Sabeth, so nennt er sie, wird kurz vor ihrer gemeinsamen Heimkehr nach Athen von einer Giftschlange gebissen und fällt auf den Hinterkopf. Im Krankenhaus trifft Faber seine große Liebe Hanna wieder. Die Welt stürzt über den beiden zusammen, als Sabeth an den Folgen der unerkannten Kopfverletzung stirbt. Der Roman endet in einem Krankenhaus, wo Walter Faber die Diagnose gestellt bekommt, dass er unheilbar an Magenkrebs erkrankt sei.
Faber verliert als Technik-Verrückter komplett den Bezug zur Natur. Die Technik beschränkt sich aufs Notwendige. Mit ihr lässt sich Natur ausschalten. Das alles ist machbar. Walter ist der Macher. Er fliegt von Kontinent zu Kontinent, im Dienst der UNESCO.
Hanna ist ein Gefühlsmensch. Den Hochzeitstermin mit Walter hat sie platzen lassen, weil er von ihrem erwarteten Kind und nicht von ihrem gemeinsam erwarteten Kind gesprochen hat. Hanna ist kunstsinnig, kultiviert, gebildet. Sie arbeitet als Archäologin in Athen.
Für Faber bestimmen Zahlen und Formeln das Leben, Literatur und Kunst sind seine Welt nicht. Dem Zufall wird kein Platz eingeräumt. Nun erscheinen die Zufälle gleich in großer Zahl. Unser Held wird von ihnen überwältigt. Er hat sich gründlich verrechnet und steht vor den Trümmern seines Lebens. Sabeth tot, Hanna todtraurig, er selber todkrank und voller Todessehnsucht. Eine Tragödie griechischen Ausmaßes! Der Held und die übrigen Protagonisten werden unschuldig schuldig. Ganz so, als hätten die Götter mit ihrem Schicksal gespielt.
Das Stück ist hoch aktuell. Ödipus lässt grüßen! „Die Welt ist was der Fall ist“, würde Ludwig Wittgenstein sagen. Eine Geschichte für eine Welt, die der technologisch halbierten Vernunft hörig ist.

Bernd Gütler, 8S