BG/BRG Lerchenfeld
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Die zweite Reise ins Nichts

Homo Faber ist ein Roman von Max Frisch, 1957 erschienen und 1991 von Volker Schlöndorff verfilmt. In dieser Geschichte darf der Protagonist Walter Faber auf den Wegen König Oedipus’ wandeln, allerdings mit einem neuen Problem: Zu Zeiten der alten Griechen gab es noch keinen Neopositivismus. Rätsel wurden noch mit den Göttern erklärt, wohingegen Faber mit dem neuen Zeitgeist schwimmt, und Dinge bis zu ihrer letzten Konsequenz denkt. Die Welt wird für ihn berechenbar, factum est, und wenn die Welt der Fall ist, so ist der Fall Faber ihr Kind. Frisch sieht seinen Antihelden als einen Mann, der an sich vorbei lebt und dem Ruf nach Technik nachläuft, doch ist sein „technologisch halbiertes Weltbild“ denn wirklich ein so falsches?
Die Weltanschauung, wie sie in Faber lebt, ist eventuell einen Schritt zu weit gegangen. Der eine Schritt zum Menschen, der sich nur der blanken Existenz sicher sein kann, für den die Welt aus Wahrscheinlichkeiten besteht, der Schritt, weg von jeglicher Metaphysik, ist ein gnadenloser. Man könnte ihn als eine Beschneidung des menschlichen Denkens sehen, doch ist er dies?
Mir sei verziehen, aber es ist ein Schritt hin zur Wahrheit. Für Faber mag er sein Leben lang ein Schritt weg vom „Lebensgenuss“, ein einsamer letzter Schritt gewesen sein, aber am Weg zur Erkenntnis ist er der richtige.
Als nun Sabeth, ein Mädchen, welches Faber auf seiner letzen Reise trifft, aufzeigt, dass das Leben mehr beinhalten kann, oder besser, dass der Mensch mehr daraus formen kann, beginnt der Technokrat zu zweifeln.
Allen Hinweisen zum Trotz (Das Mädchen erinnert ihn vom ersten Moment an an seine Jugendliebe), gibt Faber mit ihr sein Gerüst aus Wahrscheinlichkeiten auf und stürzt damit in die Katastrophe. Frisch, der Schöpfer der Figur, tötet das Mädchen, tötet es durch seinen Vater, der sich wirklich als Walter Faber herausstellt. Die Tragödie ist ihrem schlimmstmöglichen (Zu)-Fall nachgegangen, aber wohin?
Persönlich warne ich vor einem Schritt zurück zu Gott. Wenn die Menschheit so sehr nach „neuen Werten“ schreit, soll sie diese aus sich heraus schaffen, auf der so „bösen“ positivistischen Ebene, radikal und schonungslos.

Florian Kutej, 8.S 2007/2008