BG/BRG Lerchenfeld
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Der Vorleser

Ein Buch von Bernhard Schlink, verfilmt von Stephen Daldry

Dieser Film handelt von zwei in sich verknüpften Geschichten. Sie werden aus der Sicht des 54-jährigen Michael Berg erzählt, der mit 15 Jahren eine Beziehung zu Hanna Schmitz, einer 36-jährigen Schaffnerin, hatte.
Ihre Beziehung besteht größtenteils nur aus Sex, nachdem Hanna Schmitz den an Scharlach erkrankten Michael Berg nach Hause gebracht hat und beginnt, nachdem dieser sich nach seiner Gesundung sich mit einem Strauß Blumen bei ihr bedankt. Nach und nach beginnt Michael der älteren Frau Geschichten aus der Weltliteratur vorzulesen, da diese Analphabetin ist, doch dies vor ihrem Liebhaber verschweigt. Nach drei Monaten bricht Hanna die Beziehung im Zuge einer bevorstehenden Beförderung zum Bürodienst, die sie nicht annehmen will, plötzlich und ohne Michael eine Erklärung zu liefern, ab. Als Michael innerhalb seines Jus-Seminars in einer Gerichtsverhandlung, in der über ehemalige SS-Aufseherinnen geurteilt werden soll, überraschend Hanna wiedertrifft, gerät seine Welt aus den Fugen. Er hat Gewissensbisse, eine SS-Frau geliebt zu haben. Während des Prozesses erkennt Michael durch ein vorgelegtes Dokument, welches Hanna angeblich geschrieben haben soll, dass Hanna Analphabetin ist.
Eine ehemalige Gefangene sagt in diesem Prozess aus, dass Hanna anders gewesen sei als alle anderen Wärterinnen. Sie wäre ihr zuerst menschlicher vorgekommen, da sie immer junge Frauen zu sich schicken ließ, und diese zum Vorlesen von Büchern gezwungen hätte.
Hanna wird im Zuge der Gerichtsverhandlung gefragt, ob sie als Aufseherin Menschen in das KZ geschickt hätte. Zur allgemeinen Verwunderung sagt sie ja, mit der Begründung, dass es einfach keinen Platz mehr in den Lagern gegeben hätte und sie nur mit dieser Methode im Lager Platz schaffen hätte können. Durch diese Aussage stellen sich die restlichen Wärterinnen gegen sie und legen als Beweis ein Dokument vor, das Hanna geschrieben haben soll. Dies ist das Schlüsselerlebnis für Michael, indem er erkennt, dass Hanna sich wegen ihres Analphabetismus schämt und lieber die Schuld auf sich nimmt, als dieses Manko zuzugeben. Durch dieses Schuldbekenntnis wird Hanna zu einer lebenslangen Haft verurteilt, die restlichen Wärterinnen zu vier Jahren und drei Monaten.
Michael überlegt, dem Gericht von Hannas Schwäche zu erzählen, will sie auch im Gefängnis besuchen, er bringt es jedoch nicht über sich.
Einige Jahre vergehen, Michael heiratet die im Studium kennengelernte Gertrud, mit der er eine Tochter zeugt.
Die Ehe zerbricht einige Jahre darauf und Michael nimmt den Kontakt mit Hanna wieder auf. Er schickt ihr regelmäßig Tonbänder mit den zu Anfang ihrer Beziehung vorgelesenen Büchern, die er selbst aufnimmt. Hanna lernt nach und nach zu schreiben und schickt ihm einfache Briefe, die er aber nie beantwortet. Er „liest“ ihr dennoch weiter vor, bis er alle Bücher aus seinem Elternhaus neu aufgenommen hat.
Nach einigen Jahren erreicht Michael ein Schreiben des Gefängnisses, in dem Hanna unter Arrest steht. Sie wird wegen guter Führung früher entlassen und Michael sei ihre einzige Bezugsperson. Michael soll ihr in die neue Freiheit helfen.
Sie begeht am Tag ihrer Entlassung Selbstmord.<7p>

Jahre darauf trifft Michael seine Tochter, die mittlerweile erwachsen ist und gerade von einem Auslandsstudium zurückgekommen ist. Er fährt mit ihr zum Grab von Hanna Schmitz und erzählt seiner Tochter die Geschichte, warum er so unfähig ist, seine Gefühle offen zu zeigen.
Es ist neu, dass eine Geschichte die Beziehung zwischen einem jungen Burschen und einer um viele Jahre älteren Frau thematisiert und in ihren spannenden Einzelheiten beschreibt. In diesem Film geht es um die Beziehung der beiden Charaktere Michael und Hanna, nicht um die Verbrechen, die Hanna in der Nazi-Zeit begangen hat. Sie sind nur nebensächlich, beeinflussen die Handlung nur bedingt, nicht maßgebend. Es geht mehr um Michaels Psyche, die von Hanna so sehr geprägt wird. Auch nachdem Hanna schon längst im Gefängnis ist, strebt er danach, Frauen zu lieben, die ihr ähnlich sind.
Er ist nicht fähig, eine tragfähige Beziehung zu leben, so zerbricht auch seine Ehe und das Verhältnis zu seiner Tochter ist eher distanziert. Dass er seiner Tochter schließlich von Hanna erzählt, ist ein großer Schritt für ihn. Niemand hat davon bisher gewusst, nur Michael allein ist Träger seiner Trauer und seines Schmerzes.
Ist Hanna der fehlende Ersatz für eine liebende Mutter? Sucht er in jeder Frau die liebende Mutter? Ist er schon erwachsen?

Florian Kropfitsch, 7B 2008/09