BG/BRG Lerchenfeld
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Liebe Christenfreunde in den USA und anderswo!

Also, wenn man sich „Dead Man Walking“ zu Gemüte führt, dann kommt man schon ins Grübeln. Was, meine lieben Leute, soll die Todesstrafe bringen?
Es wäre wohl am besten, wir stellen uns anfangs die Frage nach dem Zweck einer Bestrafung: „Ordnung wieder-herstellen, Menschen läutern, einen Teil des Schadens abtragen“, so kleine Schlagwörter kriechen einem da von hinten ins Hirn hinauf. Oder sind wir doch beim alt bewährten „Auge um Auge, Zahn um Zahn!“, das wir aus der Bibel kennen. Ich bin kein Gelehrter, auch nicht religiös, mir sind aber Paradoxien in „dem Buch der Bücher“ aufgefallen. Der Hero des Neuen hält doch mal die andere Wange hin: Jesus, oder? - ziemlich cool, hatte was mit einer Prostituierten, nicht unbedingt auf sexueller Basis, aber so eine Maria war ihm sehr nahe. Man bekommt so ein Bild von ihm, als hätte er niemandem etwas zu Leide tun können, egal womit ihm der auch kommen sollte.
Der alte Nietzsche hat sich dann schon ein bisschen über solche Weicheiermethoden geärgert, aber mir schien das doch immer ein sehr wesentlicher Teil des Christentums. Der Junge war immer auf der Seite deren, die auch sündigten, aber bereuten - also jedenfalls: Der wurde doch schließlich auch hingerichtet, wohl weil er mit den Verlierern unterwegs war, dadurch die Ordnung des Alten provozierte.
Sein Tod erst eröffnete ein neues Zeitalter, das christliche Zeitalter. Ihn konnten seine Gegner nicht töten, sein Tod wurde die Überwindung des Todes. Er hat uns durch sein Leben zu seinen Brüdern und Schwestern gemacht, hat uns gezeigt, dass wir seine Ebenbilder sind.
Ziemlich unpassend, wenn ihr dann eines seiner und unserer Ebenbilder durch den Tod richten wollt, oder? Solltet ihr nicht, eurem Heiland folgend, Verbrechern eine Chance geben zu bereuen, wieder Menschen zu werden?
Jetzt will ich euch mitteilen, wie mein Agnostikerherz dazu steht:
Der Tod ist keine Bestrafung! Barbarisches wird nicht durch eine barbarische Tat getilgt. Für gläubige Christen sollte er erst recht keine Option sein, für mich ist er es nicht. Ist es nicht der Entzug der Freiheit, der schmerzlich ist? Und vielleicht ist der Tod ja doch eine Befreiung?
Denen, deren Herz so voller Trauer ist, so voller Wut, dass sie nicht mehr verzeihen können, denen wünsche ich die Stärke weiterzuleben.
Den Eltern verlorener Kinder wünsche ich die Kraft, trotz allem weiterhin Gutes in der Welt zu sehen und Gutes zu schaffen.
Die Todesstrafe ist Stand des Alten Testaments. Der Gott des Neuen ist kein hasserfüllter zorniger Rachegott, das solltet ihr begreifen!

Florian Kutej