BG/BRG Lerchenfeld
Schulbezeichnung
Impressum |  Kontakt |  Neues |  Sitemap

Kurzgeschichten Wettbewerb des Mölltaler Geschichten Festivals

KurzgeschichtenwettbewerbKathrina Galler, Schülerin der 1d, nahm am Ende der 4. Klasse Volksschule, auf Anraten ihrer Lehrerin, Erika Kogler, am Kurzgeschichten Wettbewerb zum Thema „Aufbruch“ teil. Die JungautorInnen im Alter zwischen 10 und 12 Jahren mussten 700—2000 Wörter schreiben und ihren Text bis 3. Juli 2017 einreichen.
Kathrinas Fantasiegeschichte „Der Feuerstein und die wirklich wichtigen Dinge“ (siehe Anhang) wurde bei der Marathonlesung am 23.9.2017 in Mautern vor Publikum von der Autorin selbst gelesen. Es gab eine Publikumsbewertung vor Ort und später noch eine Jurywertung. Die Preisverleihung fand am 6.10. in Obervellach statt. Kathrina gewann den Nachwuchspreis! Sie erhielt die „Mölltaler Schreibader“ – einen mit Blattgold in Form einer Ader verzierten Stein aus dem Mölltal plus ein Bücherpaket. Ihre wunderbare Geschichte wird voraussichtlich im Frühling 2018 mit anderen Auswahltexten aller Kategorien in „Das lange Tal der Kurzgeschichten: Aufbruch“ veröffentlicht!
Die Schulgemeinschaft des BG/BRG Lerchenfeld gratuliert dem Schreibtalent Kathrina sehr herzlich zu dieser tollen Leistung!

Mag. Pirolt Annemarie

Anhang:

Der Feuerstein und die wirklich wichtigen Dinge

Es war an einem schönen Sommernachmittag. Lushita und ihr Bruder Ben machten einen Spaziergang durch den Wald, der in der Nähe ihres Hauses lag.
Als sie eine Zeit lang gegangen waren, kamen sie auf eine Lichtung, die von einigen Erdhügeln umrandet war. In der Mitte des Kreises ragte einer empor, der aussah wie ein kleiner Berg. Dieser Hügel war zwar auch nur recht klein, aber dafür vollkommen aus Stein. Lushita war die Lichtung nicht ganz geheuer und sie sagte: „Ich finde es hier unheimlich. Komm, Ben, lass uns nach Hause gehen.“ „Dafür kommen wir aber morgen wieder hierher.“, verlangte Ben, der die Waldlichtung gerne genauer erforschen wollte. Lushita nickte nur, sie wollte schnellstens fort von diesem unheimlichen Ort.
Am nächsten Tag gingen die beiden gleich nach dem Frühstück wieder zur Lichtung. Da bemerkte Ben erstaunt: „Der komische Hügel in der Mitte ist ja auf einmal feuerrot und soweit ich weiß, waren gestern noch nicht so viele von denen da.“ Er zeigte auf die vielen Hügelchen, die rund um die Lichtung aus der Erde ragten. Sie hatten sich im Vergleich zum Vortag wirklich vermehrt! Die zwei Kinder wollten jetzt unbedingt wissen, ob sich der kleine Berg außer seiner Farbe noch verändert hatte und kletterten auf ihn. Kaum standen sie mit beiden Beinen fest auf der Spitze des Hügels, begann dieser zu wackeln wie bei einem Erdbeben und an manchen Stellen bröckelte Gestein ab. Lushita und Ben verloren den Halt und purzelten in hohem Bogen vom Berg hinunter. Kaum schlugen sie am harten Boden auf, krochen beide schnell ein paar Meter zurück. Jetzt zog sich ein Riss mitten durch den Hügel und ehe es sich die Kinder versahen, sprengte es ihn in zwei Hälften auseinander. Vorsichtig kroch Ben ein bisschen näher heran, um zu sehen, was den Hügel gesprengt hatte. Plötzlich kam etwas Großes, Rotes aus dem Krater geschossen. Ben zitterte vor Angst, doch er hob trotzdem seinen Kopf und blickte in das Gesicht des Monsters, das da hervorgekommen war.
Als er das Wesen sah, verschlug es ihm glatt die Sprache. Es war ein Drache! Genauer gesagt nur ein Drachenkopf, da der Krater so klein war, dass gerade einmal der Schädel durchgepasst hatte. Lushita schrie: „Ben, lauf weg, das Ungeheuer wird dich verschlingen!“ Doch ihr Bruder hörte sie nicht. Er hatte nur Augen und Ohren für den Drachen. Dessen Hals war ungefähr einen Meter breit und der Kopf maß mehr als zwei Meter. Er war beeindruckend, denn überall auf seinem Haupt und der Rückseite des Halses glitzerten Diamanten und Smaragde in feuerroter und purpurner Farbe. Seine Schuppen waren rotbraun und die Hörner schwarz. Aus den Nasenlöchern züngelten kleine Flammen und seine Augen waren rot wie das Feuer, das er auf dem Waldboden entfacht hatte.
Zu Lushitas Verwunderung begann der Drache jetzt mit einer rauen, sehr alt klingenden Stimme zu sprechen: „Bitte, helft mir.“ Ben zuckte zusammen, doch Lushita fragte: „Warum sollten wir jemandem, den wir nicht einmal kennen und der uns noch dazu zu Tode erschreckt hat, helfen?“ Der Drache seufzte und fing zu erzählen an: „Es begann vor vielen hundert Jahren. Damals war ich ein junger Drache und hatte nur Spielen im Sinn. Doch als ich größer wurde, wollte ich mehr Macht haben. Also fing ich an Länder zu erobern und sie zu meinem eigen zu machen. Den ältesten und gelehrtesten aller Drachen gefiel mein Handeln gar nicht. Deshalb beschlossen sie mich mit einem uralten Artefakt, dem Feuerstein, einem sehr mächtigen Stein, der das heilige Erbe der Drachen war, ins Erdreich zu verbannen, wo ich keinen Schaden mehr anrichten konnte. Danach versenkten sie den Stein, gut in einer Holztruhe verschlossen, in einem Teich. So lag ich viele Jahrhunderte lang gefangen in diesem Wald. Ich versuchte mich mit Feuer zu befreien, doch damit hatten die Ältesten gerechnet und durch das Feuer wurde die Erde statt lockerer nur noch fester. Nach einiger Zeit trocknete das Feuer, das wie Lava von der Decke tropfte und wurde zu Stein. Tja, heute habe ich es endlich geschafft, den Stein über meinem Kopf mit meiner Klaue zu zerbrechen.“ „Warum sollten wir jemandem, der so Böses getan hat, denn helfen?“, fragte Lushita noch einmal. „Ich hatte genug Zeit zum Nachdenken und habe mich geändert. Bitte, helft mir!“, flehte der Drache. Ben, der inzwischen aus seinem Trauma wieder erwacht war, fragte: „Wie, bitteschön, sollten wir dir denn helfen, ich meine, wir können dich ja nicht ausgraben?“ „Ihr müsstet mir nur den Feuerstein bringen, alles andere regle ich.“, erwiderte der Drache. „Pff, nur!“, murmelte Ben. „Den Stein brauche ich, um mich zu befreien. Ich verspreche euch, ich werde den Feuerstein nur dafür nutzen. Bitte, glaubt mir!“, bat das Tier noch einmal. Schließlich stimmten die Kinder zu.
Die beiden gingen viele Monate durch Wälder und über Berge, durch Wiesen und Felder und inspizierten viele Teiche, doch keiner war der Richtige. Nach einem Jahr Suche beschlossen Ben und Lushita, müde und erschöpft von der langen Reise, zum Wald des Drachen zurückzukehren. Nach einer Woche erreichten sie ihn endlich und machten sich auf den Weg zum Drachen. Als sie schon fast bei der Lichtung waren, erblickten sie einen Teich, der größer und schöner war als alle anderen. Die Geschwister entschieden, dass es noch einen letzten Versuch wert sei und suchten über und unter Wasser. Plötzlich kam Lushita mit einem Freudenschrei aus dem Teich geschossen. In den Händen hielt sie eine morsche Holztruhe, die umschlungen von Algen war. Auf der Vorderseite war ein eingeritzter Drache zu erkennen.
Voll Freude rannten die Kinder zum Drachen und überreichten ihm ihren Fund. Dieser öffnete die Truhe und in ihr war der Feuerstein! Der Drache konnte Ben und Lushita nicht genug für ihre Hilfe danken. Doch plötzlich sagte er: „Ihr ward so gütig zu mir und ihr habt mir sehr geholfen, aber ich brauche ihn nicht mehr. Behaltet ihr ihn.“ Die Kinder starrten ihn verdutzt an und sprachen: „Warum brauchst du ihn nicht? Wir haben so viel auf uns genommen, um ihn für dich zu finden und jetzt brauchst du ihn nicht?“ „Freundschaft ist viel mehr wert als Freiheit, Ruhm und Reichtum.“, antwortete das Tier. „Hast du mit Freundschaft uns gemeint?“, fragte Lushita und vor Rührung rollte eine Träne über ihre Wange und tropfte auf die Schnauze des Drachens.
Wie es passiert ist, konnte später keiner von den drei erklären. Ob es die Herzensgüte der Kinder oder die Einsicht des Drachens gewesen war. Auf jeden Fall stand dieser wenige Sekunden später neben den Kindern und Ben rief: „Das war ein richtiges Abenteuer!“ Der Feuerstein aber war wie von Zauberhand verschwunden und wurde von diesem Tage an auch nie wieder gesehen.