BG/BRG Lerchenfeld
Schulbezeichnung
Impressum |  Kontakt |  Neues |  Sitemap

Wenn Trockenschwimmer Schwimmlehrer werden wollen …

Zum Leitartikel: Bildungsreform im Ansatz stecken geblieben vom 11. Feb. 2016

Äpfel sind keine Birnen und eine sogenannte Bildungsreform ist wohl auch keine, wenn sie ohne den Rat der Lehrer von sogenannten Experten verordnet wird.

Es ist schon interessant, wie viele Leute genau wissen, wie man in einem Haifischbecken schwimmen soll, ohne sich je nass gemacht zu haben.

Die beiden kritischen Bücher des Philosophen Konrad Paul Liessmann zur sogenannten Bildungsreform geben dazu mehr her. Pädagoginnen und Pädagogen der umbenannten Hauptschule auf dem Lande sagen offen, was sie von dem Etikettenschwindel halten. Über die Neue Mittelschule sind da wohl nur vernichtende Urteile zu hören. Hier ist zerstört worden, was einst gut funktioniert hat.

Und: Die Erfolge jener Gymnasien, die sich geweigert haben, eine Kooperation mit einer Neuen Mittelschule einzugehen, sprechen eine deutliche Sprache. Die erwehren sich kaum des Zuspruchs. Und die fordern und fördern und machen den Eltern keine falschen Illusionen.

Eltern, die einst euphorisch ihre Kinder in die Neue Mittelschule geschickt haben, weil sie angenommen haben, sie bräuchten sich um das geistige Fortkommen ihrer Kinder dann nicht mehr zu kümmern, sind mächtig enttäuscht, weil viele Kindern die Reife für die Oberstufe nicht erreicht haben.

Die Fragen wären: Schule alleiniger Problemlöser? Projektion: Schule gar das Problem? Keine Elternverantwortung? Was tun mit medialen Zurufen?

Lesen lernt nur, wer einen Sinn darin erkennt. Das bedarf des elterlichen Vorbildes. Verständlich dann, wenn offenbar wird, dass schlechte Leser in ihrer Kindheit viel vor dem Fernseher gesessen haben und ihnen kaum oder gar nicht vorgelesen wurde. Fragen an deren Eltern, ob die wohl lesen, werden ausweichend beantwortet.

Und: Was Hänschen nicht lernt, das lernt Hans nimmermehr. Für alles gibt es in der Entwicklung Fenster. Kann einer nach der Volksschule nicht lesen, dann ist ihm in den seltensten Fällen zu helfen. Das hängt wohl auch mit den Einstellungen zum Lesen zusammen.

Fördern? Das setzt voraus, dass die zu Fördernden auch wollen. Aber: Wie Sie wissen, hat kein Lehrer und auch kein Schultyp den Nürnberger Trichter. Fragen nach der Ausstattung von Kinderzimmern ergeben, dass fast jedes Kind einen eigenen Fernseher, einen eigenen Spielcomputer und ein eigenes Smartphone hat, aber allzu oft gibt es dort kein Bücherregal und auch wenige oder gar keine Bücher.

Wahrscheinlich wäre in dieser komplexen Frage weniger eigentlich mehr. Entschleunigung! Das Wesentliche wird von den meisten Pädagogen auch nach fragwürdigen Reformen und unter schwierigsten Bedingungen zum Glück nicht aus den Augen verloren. Lassen wir sie in Ruhe arbeiten!

Albert Pulferer