BG/BRG Lerchenfeld
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Was tun, wie reagieren?

Toleranz ist wohl angesagt. Das Recht auf Asyl ist Gott sei Dank (Stephane Hessel sei Dank!) nicht verhandelbar, weil es ein universales Menschenrecht ist.

Jeder darf also nach seiner Façon selig werden. Das bedeutet, dass keine Religion das Recht hat, sich im Besitz der einzigen Wahrheit zu wähnen. Das gilt auch für das Christentum und besonders für die katholische Kirche.

Noch unser Kindermädchen erinnerte meinen Bruder Sepp und mich in den 60ern daran, welchen Schrecken die Gegenreformation (DAS KATHOLISCH-MACHEN DER BEREITS REFORMIERTEN) wohl allen Österreichern in die Glieder fahren hat lassen, wenn es immer dann, wenn wir Buben uns nicht ordentlich benahmen mit dem Satz warnte: "Büablan benehmt's euch, sonst werd ich euch schon katholisch machen!"

Diese Geschichte ließ sich auch in der Kärntner Landesausstellung in Fresach, wo es um die evangelische Kirche in Kärnten und deren leidvolle Geschichte ging, ganz schön nachvollziehen.

Noch im Ständestaat (Klerikalfaschismus/Austrofaschismus) gebärdete sich die katholische Kirche autoritär.
Ich denke, dass auch das Missionieren, das ja auch katholische Praxis ist, die Würde des Menschen unterschreitet, weil es der eindeutige Beweis dafür ist, dass sich diese Kirche für das Salz der Erde hält. Sollte es den EWIGEN geben, so wäre der meiner Meinung wohl groß genug, um viele verschiedene Wege zu sich zu tolerieren.

Dazu fällt mir ganz spontan die Ringparabel in Lessings NATHAN DER WEISE ein.
Von dieser Überheblichkeit des Missionierens ist es dann kein allzu weiter Weg zu den Moslems, die alle Nicht-Moslems als "Ungläubige" bezeichnen und das Ziel darin sehen, alle Menschen um sie herum zum Islam zu "bekehren", mit oder ohne Gewalt.

Hinter die Errungenschaften der Aufklärung sollten wir nie wieder zurück, Staatsrecht hat immer Vorrang vor allen religiösen Rechtsvorstellungen und natürlich auch vor der Scharia! Das darf einfach nie verhandelbar werden!

Bis zu Joseph II war es in Österreich angesagt, katholisch zu sein. Wer in der Gegenreformation nicht zurück in den "Schoß der Mutter Kirche" wollte, musste die Kinder unter zwölf Jahren und Hab und Gut zurücklassen und sich zum Beispiel wie die Landler in Siebenbürgen eine neue Existenz aus dem Nichts aufbauen. Erst die aufgeklärten Einsager, besonders aber der Freiherr Joseph von Sonnenfels (ein Freimaurer) um Joseph II hatten zur Folge, dass es das Edikt der Toleranz geben sollte. In der Praxis änderte sich allerdings so schnell nichts.

Werte lassen sich übrigens auch ohne Religion ganz gut begründen und leben. Praxis der Demokratie soll es sein, sie zu verhandeln und nicht zu verordnen. Das sieht die Kirche allerdings erst unter dem gegenwärtigen Papst so.

Benedikt hatte mit seiner Rede in Regensburg 2006 aufhorchen lassen, als er ausgerechnet der Aufklärung, die von der Kirche ja bis in die Gegenwart immer wieder bekämpft wurde, und dem hellenistischen Geist das Wort redete. Ja, er ließ mit der kecken Feststellung, dass mit dem Islam erst dann auf Augenhöhe verhandelt werden könne, wenn der die Aufklärung nachvollzogen hätte, aufhorchen. Zwischen Worten und Taten im Reich der Katholischen klafft allerdings bis heute eine große Lücke.

Ja, es geht um Werte. Es geht um die von der Aufklärung in Jahrhunderten erstrittenen Werte und Freiheiten!
Nichts sollte uns dazu bringen, die erstrittenen Freiheiten aufzugeben! Täten wir das, dann hätten die Menschenverächter gewonnen.

Toleranz gegen die Intoleranz einer Religion wäre aber immer ein wohl nicht mehr gut zu machender Fehler. Es ginge also darum, den Islam darauf aufmerksam zu machen, dass sich die Welt seit dem Mittelalter verändert hat und dass es an der Zeit wäre, das in der Lehre nachzuvollziehen. Möglicherweise könnte ein Verbot des Missionierens in Europa und später weltweit, mit oder ohne Gewalt zum eigenen Glauben zu überreden oder zwingen zu wollen, eine vernünftige Minimal-Basis sein. Terror müsste von allen Religionen geächtet werden. Kein Terrorist dürfte eine religiöse Trauerfeier bekommen. Es wäre auch besser, sie bekämen wie Bin Laden, Adolf Eichmann oder Odilo Globocnik auch kein Grab, wo sie Menschenverächter als "Märtyrer" betrauern könnten.

Ich fürchte allerdings, dass die Menschenverächter auf der einen Seite die Menschenverächter auf der anderen Seite auf den Plan rufen werden. Die Forderung Marine Le Pens nach der Todesstrafe lässt Böses ahnen!
Alle Vernünftigen sollten jetzt zur Besonnenheit aufrufen!

Und jeder Zoll, den die Menschheit weiterrückte, hatte Heinrich Heine, Deutscher Dichter, Jude, Konvertit und Weltbürger gemeint, hatte Ströme Blutes gekostet. Er erinnerte daran, dass das ein großer Preis wäre, läge ja unter einem jeden Grabstein eine ganze Weltgeschichte, die mit ihm geboren worden wäre und mit ihm gestorben wäre.

Lassen wir ihn zu Wort kommen mit dem ersten und dreizehnten Kapitel aus DEUTSCHLAND EIN WINTERMÄRCHEN:

Caput I

Im traurigen Monat November war's,
Die Tage wurden trüber,
Der Wind riß von den Bäumen das Laub,
Da reist ich nach Deutschland hinüber.

Und als ich an die Grenze kam,
Da fühlt ich ein stärkeres Klopfen
In meiner Brust, ich glaube sogar
Die Augen begunnen zu tropfen.

Und als ich die deutsche Sprache vernahm,
Da ward mir seltsam zumute;
Ich meinte nicht anders, als ob das Herz
Recht angenehm verblute.

Ein kleines Harfenmädchen sang.
Sie sang mit wahrem Gefühle
Und falscher Stimme, doch ward ich sehr
Gerühret von ihrem Spiele.

Sie sang von Liebe und Liebesgram,
Aufopfrung und Wiederfinden
Dort oben, in jener besseren Welt,
Wo alle Leiden schwinden.

Sie sang vom irdischen Jammertal,
Von Freuden, die bald zerronnen,
Vom Jenseits, wo die Seele schwelgt
Verklärt in ew'gen Wonnen.

Sie sang das alte Entsagungslied,
Das Eiapopeia vom Himmel,
Womit man einlullt, wenn es greint,
Das Volk, den großen Lümmel.

Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch die Herren Verfasser;
Ich weiß, sie tranken heimlich Wein
Und predigten öffentlich Wasser.

Ein neues Lied, ein besseres Lied,
O Freunde, will ich euch dichten!
Wir wollen hier auf Erden schon
Das Himmelreich errichten.

Wir wollen auf Erden glücklich sein,
Und wollen nicht mehr darben;
Verschlemmen soll nicht der faule Bauch,
Was fleißige Hände erwarben.

Es wächst hienieden Brot genug
Für alle Menschenkinder,
Auch Rosen und Myrten, Schönheit und Lust,
Und Zuckererbsen nicht minder.

Ja, Zuckererbsen für jedermann,
Sobald die Schoten platzen!
Den Himmel überlassen wir
Den Engeln und den Spatzen.

...

Caput XXII

...

Und als der Morgennebel zerrann,
Da sah ich am Wege ragen,
Im Frührotschein, das Bild des Manns,
Der an das Kreuz geschlagen.

Mit Wehmut erfüllt mich jedesmal
Dein Anblick, mein armer Vetter,
Der du die Welt erlösen gewollt,
Du Narr, du Menschheitsretter!

Sie haben dir übel mitgespielt,
Die Herren vom hohen Rate.
Wer hieß dich auch reden so rücksichtslos
Von der Kirche und vom Staate!

Zu deinem Malheur war die Buchdruckerei
Noch nicht in jenen Tagen
Erfunden; du hättest geschrieben ein Buch
Über die Himmelsfragen.

Der Zensor hätte gestrichen darin,
Was etwa anzüglich auf Erden,
Und liebend bewahrte dich die Zensur
Vor dem Gekreuzigtwerden.

Ach! hättest du nur einen andern Text
Zu deiner Bergpredigt genommen,
Besaßest ja Geist und Talent genug,
Und konntest schonen die Frommen!

Geldwechsler, Bankiers, hast du sogar
Mit der Peitsche gejagt aus dem Tempel –
Unglücklicher Schwärmer, jetzt hängst du am Kreuz
Als warnendes Exempel!

Wohl ausgewogene Worte eines im doppelten Sinn "gnadenlosen" Gottsuchers. Möglicherweise gehört das Zweifeln zur wichtigen Voraussetzung, um Gott zu finden... Niemand "hat" ihn anscheinend, den Glauben, jeder muss wohl um ihn ringen...

P.S.: Heinrich Heines Bücher befanden sich bis zum Vatikanischen Konzil unter Johannes XXIII auf dem Index Librorum (verbotene Bücher). Erst seit 1964 dürfen Katholiken Heines Werk ungestraft lesen. In den Lesebüchern für die Schule hat es bis in die Mitte der 80er gedauert, bis der große Dichter (Die Franzosen halten ihn für den größten deutschen Dichter und reklamieren ihn für die französische Literatur, hat er doch beinahe den größten Teil seines Lebens in Paris gelebt.) auch in sie Einzug halten durfte. Also Heinrich Heine oder Henri Heine?
Nun ist die Aufklärung auch in Rom angekommen, immerhin wurde der Bann über Galileo Galilei von Johannes Paul II ebenfalls aufgehoben. Nun darf auch er in den Himmel.

Der Heine des 20. und 21. Jahrhundert, Bob Dylan, mehrmals für den Literatur-Nobelpreis vorgeschlagen, den Musik-Nobelpreis (Polar-Music-Price) hat er längst, hätte zum Thema folgenden Beitrag:

With God On Our Side by Bob Dylan

Oh my name it is nothin’
My age it means less
The country I come from
Is called the Midwest
I’s taught and brought up there
The laws to abide
And that the land that I live in
Has God on its side

Oh the history books tell it
They tell it so well
The cavalries charged
The Indians fell
The cavalries charged
The Indians died
Oh the country was young
With God on its side

Oh the Spanish-American
War had its day
And the Civil War too
Was soon laid away
And the names of the heroes
l’s made to memorize
With guns in their hands
And God on their side

Oh the First World War, boys
It closed out its fate
The reason for fighting
I never got straight
But I learned to accept it
Accept it with pride
For you don’t count the dead
When God’s on your side

When the Second World War
Came to an end
We forgave the Germans
And we were friends
Though they murdered six million
In the ovens they fried
The Germans now too
Have God on their side

I’ve learned to hate Russians
All through my whole life
If another war starts
It’s them we must fight
To hate them and fear them
To run and to hide
And accept it all bravely
With God on my side

But now we got weapons
Of the chemical dust
If fire them we’re forced to
Then fire them we must
One push of the button
And a shot the world wide
And you never ask questions
When God’s on your side

Through many dark hour
I’ve been thinkin’ about this
That Jesus Christ
Was betrayed by a kiss
But I can’t think for you
You’ll have to decide
Whether Judas Iscariot
Had God on his side

So now as I’m leavin’
I’m weary as Hell
The confusion I’m feelin’
Ain’t no tongue can tell
The words fill my head
And fall to the floor
If God’s on our side
He’ll stop the next war

Copyright © 1963 by Warner Bros. Inc.; renewed 1991 by Special Rider Music Der Mann (Robert Zimmerman/Bob Dylan) war 21 Jahre alt, als er das Lied schrieb!

https://www.youtube.com/watch?v=BfHLYIms97A"

Mag. Albert Pulferer